Wechselbäder eines Bürgermeisters
von Walter Deissmann  Bürgermeister a. D.      ISBN 3-924145-33-4
Dr. Roland Varwig, Privatdozent der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/Main
"Noch eine" Autobiographie"? Nein! -- Also neue, persönliche "Bekenntnisse"? Auch das nicht! -- Dann vielleicht ein- mit Rücksicht auf den allgemeinen Rechtsfrieden ungesühnter- "berühmter Rechtsfall "?--Das schon eher; denn tatsächlich hat Walter Deissmann eine hoch interessante Mischform vorgelegt; Zum einen hat er sich in einer schlichten Erzählung von seinem existenzvernichtenden Erlebnis freigeschrieben, zum anderen hat er eine -- wenn auch bisweilen redundante- doch nur allzu realistische Collage von Zeitungsartikeln, - berichten und -kommentaren montiert, die seinen" Fall " so, wie man damals darüber sprach, multiperspektivisch und polyphon repräsentiert. D.h. kein einäugiges Lamento eines Michael Kohlhaas, sondern sauber archivierte Beweiserhebung über mündliche, schriftliche und abbildende Zeugnisse; Also gerade das Prinzip, das von seinen Gegnern so grob verletzt wurde, nämlich das " Man muß sie hören beide" (audiatur et altera pars), eben dieses Prinzip verwirklicht Walter Deissmann ihnen gegenüber durch die humanistisch bewältigte Form einer Literaturcollage mit evidenten Textillustrationsmontagen. Die Lektüre ist nicht nur für diejenigen mit Ortskenntnis ein " Aha- Erlebnis " vor allem durch das liebenswerte, lokale und zeitgenössische Kolorit, sie ist auch ein überwältigend versöhnliches "Dennoch- Erlebnis" für jeden politisch engagierten und zugleich liberalen Menschen.